
Foto: Christian Schmitt, in: Pfarrbriefservice.de
Der November ist der „Totenmonat“. Kürzer werdende Tage, fallendes Laub, die abnehmende Wärme, alles erinnert an das Vergehen. Wir erinnern uns an liebe Verstorbene und rufen uns unsere eigene Sterblichkeit ins Gedächtnis. Während in evangelischen Gemeinden das Gedenken der Verstorbenen und der Gang zu den Gräbern seinen Platz am letzten Sonntag des Kirchenjahres hat (ev.: Totensonntag/Ewigkeitssonntag), feiert die katholische Kirche am 1. und 2. November die Feste Allerheiligen und Allerseelen. Beide sind schon sehr alt und hängen eng zusammen, haben aber doch liturgisch unterschiedliche Akzente.

Seit dem Mittelalter begeht die Kirche am 2. November als Gedenktag aller Verstorbenen das Fest Allerseelen, ganz bewusst am Tag nach Allerheiligen. Denn Christen glauben, dass nicht nur die Heiligen, sondern auch die Verstorbenen bei Christus im Himmel sind: „Wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott die Entschlafenen durch Jesus in die Gemeinschaft mit ihm führen.“ (1 Thess 4,14)
Da der Leib vergänglich ist, sprach man früher von der „armen Seele“ und meinte den unvergänglichen inneren Kern einer Person: ihr Wesen, ihre Persönlichkeit. Angst vor Gottes Strafgericht und ein ausgeprägtes Sündenbewusstsein haben in dieser Zeit die Auferstehungshoffnung überlagert und zur Vorstellung vom „Jüngsten Gericht“ geführt. Für die Lebenden bedeutete dies das Ableisten-Können von Sündenstrafen und Jenseitsqualen sowie die Pflicht zum fürbittenden Gebet für die Verstorbenen.
Seit der Liturgiereform in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts betont die Kirche jedoch wieder stärker die österliche Hoffnung auf die Auferweckung von den Toten und versteht den Tod nicht als Hintreten vor das Gericht, sondern als Heimkehr zu Gott. In den Gottesdiensten an Allerseelen geht es um die dankbare Erinnerung an die Verstorbenen. Aber auch Trauer und Klage, fürbittendes Gebet sowie Trost der Trauernden haben Platz. Wichtige liturgische Elemente sind: Prozession zum Friedhof, Licht der Osterkerze und Lichter auf den Gräbern, Weihrauch-Inzens und Weihwasser-Besprengung der Gräber. Die liturgischen Feierlichkeiten und das Besuchen von Gräbern drücken die Hoffnung auf das ewige Leben aus und stärken die Gemeinschaft zwischen den Lebenden und den Verstorbenen. Diese Tage laden dazu ein, über die eigene Vergänglichkeit nachzudenken und die Hoffnung auf die Auferstehung und das Leben in Gottes Gegenwart zu vertiefen.
Allerseelen ist kalendarisch wichtiger als ein Sonntag und verdrängt das Sonntagsformular. Die liturgische Farbe ist Violett (Schwarz).













