Mehr als gute Worte – Die Kraft des Segens neu entdecken
Wie können Menschen heute Gottes Segen erfahren? Welche Bedeutung haben Segensfeiern an den Wendepunkten des Lebens? Und wie lassen sich solche Feiern theologisch fundiert und zugleich lebensnah gestalten? Mit diesen Fragen beschäftigten sich 55 Teilnehmende beim Studientag „Mehr als gute Worte – Segensfeiern neu entdecken und gestalten“ am 29. Oktober 2026 in der katholischen Akademie Franz Hitze Haus in Münster.

Im Mittelpunkt stand die Überzeugung, dass Segen weit mehr ist als ein freundlicher Wunsch oder eine religiöse Geste. „Er bringt Gottes Zuwendung zum Menschen zum Ausdruck und kann gerade in besonderen Lebenssituationen Hoffnung, Ermutigung und Orientierung schenken“, fassten die Veranstalter zusammen.
Nur gute Worte – Segnen zwischen Magie und Lob Gottes
In seinem Vortrag „Nur gute Worte – Segnen zwischen Magie und Lob Gottes“ widmete sich Prof. Dr. Clemens Leonhard aus Münster den theologischen Grundlagen christlicher Segenspraxis. Im Zentrum stand die Frage, was einen christlichen Segen von einem guten Wunsch oder einer magischen Handlung unterscheidet. Segen sei nicht als eine religiöse Technik zu verstehen, mit der sich Gottes Handeln verfügbar machen ließe. Vielmehr gründe er im Vertrauen auf Gottes Zuwendung und ist zugleich Ausdruck des Lobpreises Gottes.
Ein neues Benediktionale
Einen zweiten Schwerpunkt setzte P. Johannes Feierabend OSB aus Salzburg. Unter dem Titel „Ein neues Benediktionale“ stellte er Hintergründe des aktuellen Erarbeitungsprozesses für ein neues liturgisches Segensbuch der katholischen Bistümer des deutschen Sprachgebietes vor. Die Neubearbeitung bietet Anlass, die Bedeutung und Gestaltung kirchlicher Segensfeiern neu zu bedenken. Dabei geht es nicht allein um eine zeitgemäße Sprache und neue liturgische Formen, sondern um die grundlegende Frage, wie die Kirche Gottes Segen heute glaubwürdig und lebensnah feiern kann.
Praktische Zugänge
Am Nachmittag standen praktische Zugänge zur Gestaltung von Segensfeiern im Mittelpunkt, bei denen sich die Teilnehmenden mit unterschiedlichen pastoralen Handlungsfeldern beschäftigen konnten. Daniela Braker aus Hamburg stellte Segensfeiern für Jugendliche an Lebensübergängen vor. Tobias Dulisch aus Mainz widmete sich Segensfeiern anlässlich von Ehejubiläen. Jennifer Reffelmann aus Essen nahm Segensfeiern für Babys in den Blick, während Gregor Tuszynski aus Paderborn Möglichkeiten der Segensfeier für kranke Menschen thematisierte. Einen musikalischen Schwerpunkt setzte Martin Tigges aus Osnabrück. In seinem Workshop „Sprechende Musik – das klingende Wort“ lud er dazu ein, neue Lieder für Segensfeiern kennenzulernen.

Abb.: Holzsschnitt „Besessener von Galiläa“ auf der Titelseite des Programms mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin Anna Braungart.
Segen: Zuwendung Gottes zum Menschen
Aus Sicht der Veranstalter machte der Studientag deutlich, dass Segensfeiern für die pastorale Praxis eine besondere Bedeutung gewinnen. Sie ermöglichen Begegnungen mit dem Glauben auch dort, wo Menschen nur noch wenig Berührung mit den traditionellen Formen kirchlichen Lebens haben. Dabei gehe es nicht darum, Segensfeiern lediglich als niedrigschwellige Angebote zu verstehen. Ihre eigentliche Bedeutung liege vielmehr darin, dass sie die Zuwendung Gottes zum Menschen zum Ausdruck bringen.
Gerade deshalb bedürfe es einer Segenspraxis, die theologisch verantwortet, liturgisch überzeugend und sensibel für die Lebenswirklichkeit der Menschen ist. Eine zeitgemäße Gestaltung dürfe die biblischen und liturgischen Grundlagen des Segens nicht aus dem Blick verlieren. Zugleich müsse sie offen bleiben für die Fragen und Erfahrungen der Menschen, die um einen Segen bitten.
Der Studientag wurde von PD Dr. Nicole Stockhoff, Leiterin der Fachstelle Liturgie, und Prof. Dr. Stephan Wahle, Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft der Theologischen Fakultät Paderborn, verantwortet und in Kooperation mit dem Deutschen Liturgischen Institut in Trier und dem Österreichischen Liturgischen Institut in Salzburg durchgeführt.